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Back to the roots – Die Renaissance alter Gemüse-und Obstsorten

Geschrieben von Berthold Holzhöfer am in Blog, Gastbeiträge, Gewächshaus, Pflanzenspaß & Grüner Daumen

Schloss Dyck_KürbisseSeit alters her gehörten Obst und Gemüse zur täglichen Grundversorgung des Menschen.

War es früher oft mit dem nötigen Wissen und Respekt vor der Schöpfung (Erntedank) verbunden, verlor der Anbau von Gemüse und Obst im privaten Bereich, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung. Es galt als spießig, müßig, zu arbeitsintensiv – kein Wunder – konnte man doch jederzeit in den boomenden Supermarktketten Obst und Gemüse zu Spottpreisen erwerben.

Saisonale Begrenzungen, klimatische Unterschiede, all dies spielt heute keine Rolle mehr. Schon im frühen Mittelalter war den Menschen um die Bedeutung von Obst, Gemüse und Kräutern bewusst; sie pflanzten, pflegten, forschten und ernteten – unter teils hoch ästhetischen Gesichtspunkten in ihren Gärten. Mischkulturen – heute wieder in aller Munde – gehörten damals zur Selbstverständlichkeit. Man war sich der gegenseitigen Wechselwirkung von Pflanzungen bewusst. Zeugnisse dieser Gartenkunst finden sich bis heute in den Klostergärten oder auch in Gartengedichten wieder (Gartengedicht Hortulus von Walahfrid Strabo). Ein Musterbeispiel rekonstruierter mittelalterlicher Gartenkunst finden wir in Villandry.

 

Villandry

 

Galt das Motto ‚Masse statt Klasse‘ für eine Zeit, in der es um die regionale Vielfalt schlecht bestellt war, finden wir seit einigen Jahren ein Umdenken, hin – zu verantwortungsbewussteren Umgang – mit der Natur als auch der bewusste und gezielte Einsatz von regionalen, oft in der Region verwurzelten Obst – und Gemüsesorten.

Heute erlernen zum Glück viele Menschen (darunter viele junge Familien), dass die Vielfalt uns mehr denn je braucht und uns im Gegenzug mit vielen ‚Leckerbissen‘ beschenkt. Wer einmal angefangen hat einen Garten sein Eigen nennen zu können, und ihn mit Obst und Gemüse bestellt, wird sich dem Reiz, der von dieser Art Beschäftigung ausgeht, nicht mehr entziehen können. Wie überrascht ist man, wenn man feststellt, dass es bis zu 10.000 Tomatensorten gibt; darunter schwarze, violette, birnenförmige usw..

Ähnlich verhält es sich mit Kartoffeln, Salaten, Kohlsorten und vielem mehr. Längst vergessene Gemüsesorten sind plötzlich wieder in und finden sogar in der Haut Cuisine Verwendung. Mangold, Pastinaken, Wurzelpetersilie und vieles mehr, warten darauf neu entdeckt und ausprobiert zu werden. Mispeln, Quitten, regionale Obstsorten- die an die jeweiligen klimatischen Gegebenheiten angepasst sind- und teils seit Generationen mit Geschichten und Traditionen befrachtet sind, bereichern das alltägliche Leben mit ungeahnten Geschmackskomponenten.

Auch wir in Schloss Dyck, eingebettet in eine Region – in der der Anbau und die Züchtung von Obst eine Jahrhunderte alte Tradition hat –haben in den letzten Jahren begonnen, in Teilbereichen des Parks, Obst und Gemüse verstärkt zu präsentieren und anzubauen. So werden im sogenannten Spalierobstgarten mehr als 3.000 Gemüse- und Salatpflanzen in der Saison angebaut, die dann in der eigenen Gastronomie verarbeitet werden.

 

Schloss Dyck_Schulgarten

 

Ein weiterer Bereich ist für Schulaktivitäten reserviert: Hier können Kinder, in extra für sie angelegten Hochbeeten, unter Anleitung Gemüsepflanzen setzen oder selbst aussäen. Für viele Kinder ein eindrucksvolles und prägendes Erlebnis.

 

Schloss Dyck_Kürbisse

 

Weitere 2.500 qm werden für den Anbau von Kürbissen genutzt, die, sowohl in der Küche Verwendung finden, als auch für Herbstveranstaltungen, z.B. als Schnitz-oder Dekokürbisse, genutzt werden.

Rezept für eine Kürbiscremesuppe:

1 kg Kürbis                        40 g Butter                                 1 Prise Cayennepfeffer

1 große  Kartoffel             1 Ltr. Hühnerbrühe                     2 Tl  Zitronensaft

1 Stückchen  Ingwer       1 Tl  Salz                                      200 g Sahne

1 EL Geschälte Kürbiskerne

1 EL  Kürbiskernöl

  • Kürbis schälen, die Samen entfernen in große Würfel schneiden. Die Kartoffel schälen und ebenfalls würfeln. Beides mit dem Ingwer in der heißen Butter andünsten, die Brühe zugießen, mit Salz und Cayennepfeffer würzen. Ca. 15 – 20 Minuten weich kochen.
  • Zitronensaft und Sahne einrühren, die Suppe fein pürieren, abschmecken und anrichten.

Kürbiskerne rösten und auf die angerichtete Suppe streuen. Mit Kürbiskernöl beträufeln.

Ein Küchengarten auf Schloss Dyck

Last but not least wird in Kürze ein 600 qm großer Küchengarten entstehen, der um ein neu errichtetes Gewächshaus angelegt wird. Ermöglicht wurde der Bau des Gewächshauses durch die Unterstützung des LVR, der auch an der Errichtung des Spalierobstgartens maßgeblich beteiligt war. In diesem Garten sollen vorrangig alte und weniger bekannte Gemüsesorten angebaut werden. An der rückseitigen, historischen Ziegelsteinmauer werden Birnenspaliere ihren Platz finden.

 

Schloss Dyck_Alitex_Gewächshaus

 

Verbunden zu sein mit der Natur, das Glück zu haben, mit einer Gastronomie zusammen zu arbeiten, die die Wertigkeit biologisch angebauter, historischer, teils regionaler Sorten unterstützt, ist ein Geschenk, das wir in Schloss Dyck zu schätzen wissen.

Eine Symbiose die für die Zukunft nur Gutes verheißen lässt.

Lassen wir uns überraschen.

Liebe Grüße aus Schloss Dyck

Berthold Holzhöfer

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Berthold Holzhöfer

Berthold Holzhöfer

Head Gardener.Berthold Holzhöfer erfüllte sich seinen lang gehegten Kindheitstraum – Gärtner zu sein. Dabei spezialisierte sich der Vielgereiste auf die Pflege von Parks und die Wiederherstellung von Schlossanlagen. 2012 fand der leidenschaftliche Sammler von Gartenliteratur an den Niederrhein. Als gärtnerischer Leiter führt Berthold Holzhöfer seitdem im englischen Landschaftspark und in den Gärten von Schloss Dyck grüne Regie. Freuen Sie sich auf Spannendes aus dem Leben eines Head Gardeners. Stiftung Schloss Dyk