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Blätter jagen

Geschrieben von Jens Tippel am in Uncategorized

Wilder Wein1Es ist Herbst und was für Einer! Kühle Nächte und warme Tage mit Hochnebel und Sonnenschein wechseln sich ab und erfreuen des Gärtners Auge. Denn durch diesen Temperaturunterschied bedingt, haben wir dieses Jahr in unseren Landen eine leichte Ahnung davon, warum manche Menschen zu dieser Jahreszeit nach Nordamerika fahren, um den „Indian Summer“ zu erleben, das letzte große Lebewohl der Bäume und Sträucher für dieses Jahr. Feuerrote Wälder mit buttergelben Tupfern durchsetzt, dazwischen mahagoni und rostrote Farbtönungen, zitronengelb und goldgelb, die Liste der Farben ließe sich beliebig fortsetzen. Und all dieses kann auch bei uns beobachtet werden.

Im Garten verlieren wir uns in einem regelrechten Farbenrausch, angefangen bei den verschiedenen Ahornarten und –sorten über das Pfaffenhütchen, bis hin zu dem leuchtend goldgelben Blatt des Ginkgobaumes. Auch der zur Zeit aus der Mode gekommene Essigbaum tritt mit seiner Herbstfärbung so sehr in Erscheinung, dass man sich mit dem Gedanken trägt, ihn in dem nächsten zu gestaltenden Garten wieder einmal einzusetzen.

Doch nach der Färbung kommt der Fall und eine der letzten großen Herausforderungen des Jahres liegt vor dem Gärtner, ehe er sich am Ofen einigeln kann, um sich in seinen wohlverdienten Winterschlaf zu begeben. Laubrechen werden geschwungen und die Industrie offeriert uns Maschinen, die sowohl das Laub wegblasen als auch einsaugen können!

Seit einigen Jahren gibt es sogar eine wirkliche Verbesserung auf dem Markt der Laubbeseitigungswerkzeuge. Zuerst noch wie ein Geheimtipp aus Amerika kommend gehandelt, wurde dieser Rechen bereits in guten Baumärkten gesichtet. Ein echter „Männerrechen“, am Fuß etwa doppelt so breit wie die alten Gerätschaften, dabei trotzdem so leicht, dass mit einem flüssigen Schwung in kurzer Zeit wahre Laubmassen zusammenkommen.

Die Zeit der Blattjagdsaison wird eröffnet mit einem Baum, der seinen ketzerischen Spitznamen „Beamtenbaum“ aufgrund seines frühen Laubfalls erhalten hat (kommt als letzter, geht als erster). Die Rede ist von dem Trompetenbaum, Catalpa bignonioides, über den ansonsten nur Gutes berichtet werden kann. Stadtklima- und industriefest, verträgt Trockenheit erstaunlich gut, gedeiht selbst auf ärmeren Standorten noch befriedigend, dazu einer der schönsten in unseren Breitengraden wachsenden Blütenbäume. Dieses Jahr versetzt er uns in großes Erstaunen, denn während die Esche bereits tüchtig Blätter regnen lässt, ist das Laub des Trompetenbaumes noch saftig und grün, kein Gedanke an frühzeitiges Gehen zu erkennen. Vielleicht weiß die Catalpa, dass sich in unserem reformwilligen Land auch die Beamten an längere Arbeitszeiten gewöhnen müssen?

Andere Bäume sind mit ihrem Laubfall wesentlich verlässlicher. Die gute deutsche Eiche beginnt momentan langsam, dafür aber sehr kontinuierlich, nach und nach ihre Blätter herzugeben. Das wird noch bis Mitte November so weitergehen. Von daher also der Rat: Warten Sie ab, bevor Sie mit Ihrer Blätterjagd beginnen. Andere Arbeiten wie das Pflanzen und Verpflanzen von Sträuchern und Bäumen, oder das Stecken von Blumenzwiebeln stehen ebenfalls an. Ja selbst die jährlich vergessene Werkzeug- und Maschinenpflege kann nun gemacht werden. Um so größer ist dann die Freude im nächsten Frühjahr – anders als in den Jahren zuvor – einen nicht angerosteten Spaten aus dem Werkzeugschuppen ans Tageslicht zu holen.

 

 

Jens Tippel

Jens Tippel

Der Gartenplaner. Schon zu Beginn seiner gärtnerischen Laufbahn war der Wunsch ausgeprägt, schöne und einzigartige Orte zu schaffen – ein Lebensmotto. www.jens-tippel.de