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Die vergessene Schönheit

Geschrieben von Jens Tippel am in Uncategorized

quitte kleinDieser kleine Beitrag widmet sich einem in Vergessenheit geratenen Baum, der heutzutage nur noch sehr selten angepflanzt wird. Es ist die Quitte, einer der schönsten in unseren Breitengraden wachsenden Obstbäume. Im Altertum bereits bekannt, war sie zu Zeiten der alten Griechen und ihrer Götter, die heilige Frucht der Aphrodite und galt als Symbol für ein langes Leben, Fruchtbarkeit, Glück und Liebe. Selbst ihr lateinischer Name „Cydonia oblonga“ macht Spaß – ihn genüsslich auf der Zunge zergehen zu lassen.

Was ist das Besondere an einem Quittenbaum? Als Erstes fallen einem die Früchte ein, die in einem warmen Gelbton im Spätsommer aus dem Blattwerk herausschauen. Wer schon Quittenbäume gesehen oder auf dem Wochenmarkt die Früchte bewundert hat, dem sind bestimmt schon die Unterschiede aufgefallen. So werden die Quitten nach ihrer Fruchtform unterschieden in Apfel- und Birnenquitten. Im Handel gebräuchliche Sorten sind neben neueren Züchtungen die Konstantinopler Apfelquitte und die portugiesische Birnenquitte. Diese Namen deuten jedoch nur anscheinend ihre ursprüngliche Heimat an, denn diese ist bis heute nicht gänzlich geklärt. So werden als Ursprungsgebiete selbst Länder wie Japan und klimamilde Gebiete Nordamerikas genannt. Zu uns sind die Quitten wahrscheinlich durch die Römer gekommen, die sie bei ihrer Okkupierung von Germanien im Gepäck mitführten.

Was zu dieser Jahreszeit „hoffentlich“ beginnt, ist die Blattentfaltung und die alleine lohnt schon einmal genauer zu betrachten. Wie bei vielen Gehölzen ist das Blatt bereits in der Knospe fertig angelegt, mit Beginn der Vegetationszeit öffnet sie sich, das Blatt befreit sich von den Knospenhüllblättern und wächst sich aus. Die Besonderheit der Quitte ist ihr stark behaartes Blatt, welches im Anfangsstadium wie ein weicher graulaubiger Lappen aussieht. Erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen die Blätter stabiler zu werden. Im Gegensatz zu den meisten im blattlosen Zustand blühenden Obstbäumen öffnet die Quitte ihre bis zu 4cm großen Blüten erst, wenn alle Blätter ausgetrieben sind. Durch diese späte Blütezeit sind keine Frostschäden mehr zu befürchten. Je älter sie wird, desto mehr entwickelt sie sich zu einem prächtigen Blütenbaum, der sich mit jedem, nur der Blüte wegen angepflanzten Zierbaums, messen kann. Aber nicht nur dieser Blütenbaum ist sehenswert. Eine Quitte wird mit der Zeit immer schöner. So bildet sich im Alter ihre besondere Rindenstruktur heraus, die in kleinen plattigen Abschilferungen erkennbar ist, wodurch der Stamm des Baumes verschiedene Farbschattierungen durchspielt. Hinzu kommt eine schon oft beobachtete Drehwüchsigkeit des Stammes, welche diese Rindenstruktur besonders gut zur Geltung bringt. All dieses kann allerdings nur der beobachten, der die nötige Geduld dafür aufbringt. Und damit sind wir wieder einmal bei der Primärtugend des Gärtners angekommen. Dazu passt eines der schönsten Gartenzitate von dem inzwischen verstorbenen Dieter Kienast, Professor für Landschaftsarchitektur aus der Schweiz: „Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am seltensten und kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum.“

Zurück zur Quitte. Ihrer ursprünglichen Heimat entsprechend, bevorzugt sie einen sonnigen Standort, der von den Bodenverhältnissen nicht zu schwer sein sollte. Dann sollte sie wachsen. Und wie! Damit ist jedoch gar nicht ihre Wuchsstärke gemeint, die sich zumeist in einem gut überschaubaren Rahmen von 3-4 m Höhe und Breite hält. Es ist eher die Wuchsform gemeint. So steht in einem Fachbuch geschrieben: “Eine Quitte wächst so wie sie will! Das kann ich nur bestätigen. Als einzigen Tipp kann ich Ihnen nur ein leichtes Auslichten und ein vorsichtiges Zurücksetzen der langen peitschenartigen Triebe mit auf den Weg geben.

Vielleicht können sie dann in einigen Jahren genügend Früchte ernten, um folgendes köstliches Quittentortenrezept nachzubacken:

Für diese Torte bereiten Sie einen Mürbeteig, den Sie in einer Springform vorbacken. Die Quitten, etwa 1kg, werden geschält, das Kerngehäuse entfernt und in schmale Spalten geschnitten. Sofort in Zitronenwasser legen, um ein Anlaufen zu verhindern. Weißwein mit Zucker aufsetzen und darin die Quitten gar ziehen lassen. Etwas Biss dürfen sie aber noch haben. Danach die Spalten herausnehmen, abtropfen lassen und recht kompakt auf den Teigboden schichten. Den Weißweinsud so stark reduzieren, bis eine sirupartige Masse entstanden ist. Diese dann über die Quitten gießen. Eine Baisermasse aus Eiweiß und Zucker herstellen und auf die Quitten streichen. Mit einer Gabel Spitzen ziehen. Bei 180 Grad im Ofen so lange backen, bis der Baiser eine leichte Bräunung bekommen hat. Dazu Schlagsahne und das Glück ist perfekt!

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Jens Tippel

Jens Tippel

Der Gartenplaner. Schon zu Beginn seiner gärtnerischen Laufbahn war der Wunsch ausgeprägt, schöne und einzigartige Orte zu schaffen – ein Lebensmotto. www.jens-tippel.de