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Parkomania – Küchengärten an der Loire

Geschrieben von Christa Hasselhorst am in Blog, Gastbeiträge, Parkomania - Parks & Gärten

Wenn Paris das Hirn Frankreichs ist, dann ist die Gegend entlang der Loire ihr Herz.

Hier ist wirklich „Leben wie Gott in Frankreich“, vereinen sich Kultur, Tradition, Schönheit, beeindruckende Geschichte und Sinnlichkeit auf’s Wundervollste. Genuss für alle Sinne, mit Welterbe-Rang, entlang des sich träge dahin windenden Flusses. Begleitet von hunderten von Schlössern, alle idyllisch und geschichtsträchtig, alle mit prachtvollen Parks, Gärten und Küchengärten, den Potagers.

 

Das beginnt bei Schloss Valmer, in dessen von steinernen Löwen bewachtem Küchengarten alte Gemüse- und Obstsorten gezüchtet werden, z. B. die Erdbeere „Versaillaise“. Das von schützenden Mauern umgebene Areal wurde nach Plänen aus dem 15. Jahrhundert rekonstruiert. Im Kavaliershaus kann man Wein verkosten, auf sanften Hügeln rundum wächst köstlicher Vouvray und Touraine Rosé.

 

Weiter geht es zum berühmtesten Gemüsegarten der Loire, nach Villandry. Vom mächtigen Turm des Schlosses, dem Dojon, hat man den besten Überblick über Park und Potager. Der besteht aus vielen Quadraten, die nach Farben bepflanzt wurden. Hier sprießen Kohl, Gurke, Aubergine und Salat vor allem als hochdekorative, fast dekadente Augenweide. Denn in Topf und Magen landet die Ernte eher weniger, Hauptsache, „es ist schönste Symmetrie und Harmonie“, sagt Schlossherr Henri Carvalho. Sein Großvater ließ das artifizielle lebende Gesamtkunstwerk nach Plänen des 16. Jahrhunderts vor rund 100 Jahren neu anlegen. Beeindruckend perfekt.

 

Viel natürlicher wirkt dagegen der Gemüsegarten von Schloß Chenonceau. Hier sprießt auch jede Menge Obst und Gemüse, aber Mangold, weiße Auberginen und zarte Zuckerschoten werden dann im exklusiven Schloss-Restaurant kredenzt. Und die herrlichen Blumen, Rosen, Hortensien, Dahlien, aber auch Bronzefenchel, stibitzt der schlosseigene Florist für fantastische florale Gebinde, welche die Räume in Chenonceau schmücken. Es zählt zu den Favoriten unter den vielen Loire-Schlössern. Klein, elegant und romantisch ist der weiße Bau mit der dreistöckigen Galerie über dem Fluss Cher. Noch romantischer die Historie, wohnten hier doch zwei Rivalinnen unter einem Dach, Katharina di Medici und Diane de Poitiers, die Mätresse von Katharinas Gatten. Beide Damen besaßen ihren eigenen Garten, heute wieder nach barocken Vorbilden originalgetreu restauriert. In Dianes grünem Reich bezaubern vor allem weiße Rosen.

 

 

Ein  Abstecher nach Le Rivau zum Finale muss sein. Das Märchenschloss liegt beschaulich zwischen Getreidefeldern. Schlossherrin Patricia Laigneau hat einen magischen Park angelegt, mit Eibenlabyrinth, moderner Kunst, verschlungenen Pfaden und jeder Menge üppiger Stauden. Im einstigen Wassergraben hat sich ein duftender Rosenrausch entfaltet und aus dem hohen Rundturm des imposanten Schlosses baumelt ein langer Zopf herab – Rapunzel lässt grüßen. Im Innenhof des Schlosses verlockt ein rustikaler, schmucker Gemüsegarten voller Harmonie in Form und Farbe. Die phantasievolle Künstlerin und Gärtnerin will die Besucher des Bilderbuch-Gebäudes aus dem 15. Jahrhundert „in eine Märchenwelt entführen“. Chapeau, Madame, das ist Ihnen geglückt. Und ihre fünf Pfauen perfektionieren dieses glückliche Märchen.

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Christa Hasselhorst

Christa Hasselhorst

Kulturjournalistin & Parkomanin. Mit ihrem Umzug im Jahr 2000 nach Potsdam wurde die Kulturjournalistin zur passionierten 'Parkomanin'. Seitdem reist sie durch Parks und Gärten in Europa, porträtiert Menschen und Pflanzen für Magazine und im Herbst 2015 erschien ihr 14. Gartenbuch "Faszination Grüne Gärten". www.gärtnerinausliebe.de