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Topiary – die Kunst des Formschnittes

Geschrieben von Jens Tippel am in Uncategorized

Gro�britannien The Courts EibenhinkelsteineDie Hauptfigur im Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ hätte in einem anderen Leben einen hervorragenden Gärtner abgegeben oder sich zumindest aber in einem Spezialgebiet der gärtnerischen Kunst hervortun können. Gemeint ist „topiary work“, der dekorative Formschnitt von Gehölzen und Sträuchern.
John Franklin, englischer Seefahrer und Nordpolforscher besaß eine Charaktereigenschaft, die so unbedingt notwendig ist, will man großartige topiaries erzielen. Er war langsam, so unendlich langsam in Allem. Dies wandelte sich später zu den Stärken, die der Gärtner dringend braucht und für Formschnittgärtner unabdingbare Voraussetzungen sind: Immense Geduld, Gründlichkeit und Gelassenheit. Beschnittene Kunstwerke brauchen mitunter Jahrzehnte, um sich zu dem zu entwickeln, was der Urheber sich vorgestellt hatte. In England, aber auch in Italien, Frankreich, Holland und Deutschland gibt es topiaries, die bereits mehrere Jahrhunderte alt sind. Da werden sozusagen gärtnerische Generationenverträge unterschrieben.

Für den Formschnitt werden meist Buchsbaum und Eibe verwendet. Jede Schnittform ist erlaubt, seien es rein geometrisch-plastische Formen oder Schnittkunstwerke figurativer Art. Seltsamerweise regen sich die Gemüter beim Anblick solcher grünen Kunstwerke auf. Geschmacksvorstellungen prallen aufeinander; Lager von Gegnern und Befürwortern sind scharf voneinander getrennt. Der Ruf nach „vergewaltigter Natur“ ist nicht fern und der Ausdruck „Kitsch“ wird des Öfteren bemüht.

Vielleicht etwas voreilig, denn wäre das Schneiden einer Rasenfläche dann nicht auch zu verurteilen? Obstbäume werden des Ertrages wegen beschnitten, warum sollte eine Eibe nicht der Formgebung willen beschnitten werden?

Die eher berechtigte Frage ist die nach dem passenden Ort für ein Formschnittgehölz. Buchsbaumkugeln und Eibenwürfel in einem Beet – topiary in Kleinformat – können gerade als Kontrast zu dem üppigen Staudenwuchs ein beruhigendes Gegengewicht setzen und wirken zudem noch im Winter. Größere geometrisch beschnittene Formschnittgehölze haben die Wirkung einer pflanzlichen Skulptur und können Gartenbereichen einen eigenen Inhalt geben. Selbst topiaries in einer figürlichen Form, sei es das klassische Pfauenpaar, das auf einer Hecke thront und einen Eingang zu einem Gartenraum anzeigt, sind absolut legitim und tragen zur Bereicherung des Gartens bei. Wichtig allein ist der dafür stimmige Ort.

Heute gibt es diese grünen Kunstwerke in nahezu jeder denkbar möglichen Form. Von ganz klein, den Geldbeutel schonend, bis zu gewaltig und groß, eher auf Firmen- und Repräsentationsgebäude zugeschnitten, sind topiary im Handel zu erwerben.
Sollten Sie auf die Idee kommen Ihren Kindern unter anderem eine Hinterlassenschaft in Form von topiaries zu übergeben, können vielleicht die Bilder eine kleine Anregung geben, denn der Ideen sind viele und das Spielen damit kann bereits Freude und Spaß machen, womit wir wieder einmal beim Sinn und Zweck des Gartens sind.

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Jens Tippel

Jens Tippel

Der Gartenplaner. Schon zu Beginn seiner gärtnerischen Laufbahn war der Wunsch ausgeprägt, schöne und einzigartige Orte zu schaffen – ein Lebensmotto. www.jens-tippel.de