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Wenn meine Rosen frieren erröten sie und bekommen rote Punkte…

Geschrieben von Katharina Hummel am in Blog, Gastbeiträge, Pflanzenspaß & Grüner Daumen

 

 

 

 

 

 

Rosen müssen möglichst historische alte Züchtungen sein,  toll duften und klangvolle Namen haben – so dachte ich viele Jahre.

In meinen Garten zogen ‚Ghislaine de Féligonde‘, ‚Comte de Chambord‘  und ‚Duchesse de Verneuil‘ ein. Sie bekamen kupferne Namens-Anhänger und ich liebte es ihre Namen auszusprechen…

Dass ich eines Tages eine Art Liebeserklärung an eine Rose mit dem unsäglichen Namen ‚Aspirin‘ schreiben würde, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Was sollte man schon von einer Rose mit diesem Namen erwarten?

Gekauft vor Jahren als schnelle Buffet-Deko für ein Sommerfest, pflanzte ich danach die drei Rosen zusammen irgendwo in den Garten.

Im letzten Winter wurde direkt neben der total zurückgesetzten Rosengruppe mein Gewächshaus gebaut. Nur sechs Monate später überzeugt dort ‚Aspirin‘ – in England unter dem Namen ‚Special Child‘ auf dem Markt – genau im Farbton des Gewächshauses. Reinweiß. Perfekt. Und sie ist gesund. Ohne jede Maßnahme. Nur eine Handvoll Rosen-Langzeitdünger im Frühling und das war’s. Nie blühte sie so prächtig wie dieses Jahr. Auch Rosen lieben offensichtlich Glashäuser – aber eben im Rücken.

Ein von Starkregen und großer Hitze geprägter Sommer neigt sich zum Ende. Für Rosen mit klangvollen Namen und tollem Duft ein schwieriger Sommer. Selbst die sonst dauerblühende ‚Ghislaine‘ enttäuscht mich und gilbt so vor sich hin. Leise rieseln die Blätter. ‚Augusta Louise‘ hasst Starkregen und bildete Knospenmumien. ‚Graham Thomas‘ präsentiert sich fast blattlos. Wenn diese so toll duftenden Rosen schön sein sollen, kommt man an Chemie  eigentlich nicht vorbei. Aber das möchte ich in meinem Garten mit Babymeisen, Igeln und jetzt wieder mehr Schmetterlingen unbedingt vermeiden.

Bei der Auswahl neuer Rosen achte ich jetzt auf die ADR-Prüfung, damit ich keine Fungizide spritzen muss. Diese Prüfung müssen neue Rosensorten auf Testfeldern ohne Pflanzenschutz bestehen. Nur wer sich dort bewährt erhält das begehrte Gütesiegel.

Mehrere Nistkästen mit ihren Meisenbewohnern helfen Blattläuse zu reduzieren. Und die sich geschickt einwickelnden Rosenblattrollwespen sammle ich von Hand ab – mit ein bisschen schöner Musik hat das an einem sonnigen Maimorgen etwas Meditatives.

Bei mir sind jetzt ‚Jasmina‘, ‚Lions Rose‘ und ‚Innocencia‘ im Beet – klingt nicht so toll, aber hilft der Umwelt.

Ja, und dann natürlich – wie könnte es in Leverkusen anders sein- ASPIRIN!

Noch strahlt sie abends reinweiß im Licht des Spots am Glashaus, aber die Eichhörnchen sammeln schon Nüsse. Das Licht wird weicher und morgens liegt milchiger Tau auf der Wiese.

Ich freue mich schon auf ihre letzten Blüten an kühlen Spätherbst-Tagen. Unterhalb einer gewissen Morgentemperatur bekommen die Blüten einen rosa Hauch und kirschrote Farbspritzer.

Und ich kann sie nach getaner herbstlicher Gartenarbeit bei einer Tasse Earl-Grey Tea durch die Scheiben des Scotney bewundern.

Trotz des scheußlichen Namens.

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Katharina Hummel

Katharina Hummel

Fotografin. Seit über 30 Jahren ist Katharina Hummel mit der Kamera unterwegs. In ihrer Freizeit genießt die engagierte Amateurgärtnerin Natur & Garten und nimmt uns mit auf besondere Gartenabenteuer.