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Winterliche Gärten

Geschrieben von Jens Tippel am in Uncategorized

Krokuswiese150Es ist immer noch Winter! Und damit die ideale Zeit, um den eigenen Garten auf seine Schönheit hin zu überprüfen. Denn es gilt: ist der Garten im Winter sehenswert, dann ist er es mit Sicherheit auch zu den restlichen Jahreszeiten. Natürlich können Sie im Winterhalbjahr nicht mit der überschwänglichen Blütenfülle des Sommers rechnen. Dafür treten jetzt andere Aspekte des Gartens in den Vordergrund. Hierzu zählt an erster Stelle die eigentliche Struktur der Anlage, denn von dieser wird man nun nicht mehr durch das Blütenwerk der Stauden und die gnädig abmildernde Blattmasse der Gehölze abgelenkt. Der Blick fällt jetzt auf den nackten Garten, und es entscheidet sich nun, ob es der Blick auf einen Prinzen oder vielleicht doch nur der auf einen Frosch ist, der noch wach geküsst werden möchte. Haben Sie dieses Jahr immerhin schon dafür gesorgt, die Gräser und standfesten Stauden stehen zu lassen, so können sie mit Freuden den Raureif bewundern, der die Pflanzen an manchem kalten Morgen in kunstvolle vergängliche Skulpturen verwandelt. Und doch nützt einem diese Freude nicht viel, gilt es doch zuerst einmal den Blick aufs Ganze zu richten, bevor man sich den einzelnen Details zuwendet, ohne die ein Garten eben auch kein guter Garten ist.

Stimmen die Wegestrukturen, passen die Pflanzen mit ihrem arteigenen Habitus zueinander? Haben Sie schon mal darauf geachtet, welch unterschiedliche Wuchsformen es gibt und wie verschieden das Astgerüst der einzelnen Gehölze nun im Winter hervortritt? Die Gehölzbestimmung im Winter gilt übrigens als Krönung in der Pflanzenkunde. Und es macht viel Spaß schon aus einer größeren Entfernung zu erkennen, ob es sich beispielsweise um eine Linde oder um einen Ahornbaum handelt. Gehen Sie mal mit einem Gärtner spazieren. Die können gar nicht mehr anders, als im Kopf ständig am Botanisieren und am Bestimmen der Pflanzen zu sein.

Doch nun zurück. Passen die einzelnen Gehölze im Garten zusammen, und wenn ja, stimmen die Größenproportionen auch noch? Ist der Anblick aus dem Lieblingssessel hinein in den Garten ein Erfreulicher? Wenn nein, was stört? Gibt es in Hausnähe attraktive Gehölze, wie den z.B. Winterschneeball, die Zaubernuss, den Lorbeerschneeball, bei denen es schwer fällt im Vorübergehen nicht mal kurz die Nase in die winterliche Blüte zu stecken, um dann berauscht vom Duft und besserer Laune seinen Dingen nachzugehen? Sind im Garten genügend immergrüne Gehölze, die einen über die kalte Jahreszeit hinweg trösten können? Sind es vielleicht sogar schon zu viele, und Ihr Garten wirkt düster und traurig? Zwar wird diese Ausstrahlung im Frühjahr durch das frische Grün der Blätter abgemildert, doch ganz verschwinden wird sie nicht!

Die Zeit und Ihre Moden unterliegen einem ständigen Wandel. So waren vor 20 Jahren Serbische Fichtenhecken das  Nonplusultra der immergrünen Heckeneinfassung. Den Gärtner hat es auch gefreut, wusste er doch bereits damals schon, dass er diese Pflanzen irgendwann wieder zu Gesicht bekommt; spätestens dann, wenn er sie einkürzen muss, oder besser noch, wenn er sie aus dem Garten wieder entfernt, weil sie zu groß geraten sind. Trotzdem ist eine gewisse Anzahl immergrüner Gehölze im winterlichen Garten unentbehrlich, versprechen sie durch ihr dauerhaftes Grün doch, dass die Natur am Leben ist. Für die Gartengestaltung haben diese Pflanzen die Bedeutung der Akzentsetzung im Winter und ein Zurücktreten in den Sommermonaten, wo sie als Staffage für die Blütenpflanzen dienen. Hierfür eignen sich hervorragend die üblichen Verdächtigen wie Eibe, Stechhülse, Buchsbaum und Portugiesische Lorbeerkirsche, die, wenn sie zu groß geworden sind, bedenkenlos geschnitten werden können, sollte sie nicht bereits von Anfang an eher als Formschnittpflanzen gedacht gewesen sein.

Sie sehen, es gibt eine Menge zu tun für den Gärtner – gerade auch im Winter – und wenn es erst einmal nur eine kritische Bestandsaufnahme seines Gartens ist, die dann später in die Tat umgesetzt werden kann.

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Jens Tippel

Jens Tippel

Der Gartenplaner. Schon zu Beginn seiner gärtnerischen Laufbahn war der Wunsch ausgeprägt, schöne und einzigartige Orte zu schaffen – ein Lebensmotto. www.jens-tippel.de